Hans Glawischnig ist Biobauer und Gastwirt aus Leidenschaft. Auf seinem Familienbauernhof lebt er für seine Gäste und Produkte aus eigener Erzeugung. Trends wie Slow Food und Bio sind für ihn keine Modeerscheinung, sondern ganz alltäglich und selbstverständlich; er ist schließlich so aufgewachsen. Wer jetzt denkt, er könne sich deswegen entspannt zurücklehnen, der irrt: Das betreiben einer biologischen Landwirtschaft macht viel Arbeit, die Hans Glawischnig aber viel Spaß und Freude bereitet. Doch wie wird man eigentlich zertifizierter Biobauer? Wir haben einmal nachgefragt.

Auflagen und strenge Kontrollen zum Schutz der Marke Bio

In Österreich müssen Bio-Bauern viele gesetzliche und bauliche Vorgaben erfüllen, um auf biologische Weise arbeiten zu können. „Mann muss sich an verschiedene Parameter halten. Eine Bio-Landwirtschaft verwendet keine Spritzmittel und keinen Kunstdünger, sprich keinen Stickstoff. Weiter gibt es gewisse bauliche Auflagen, vor allem in der Rinderwirtschaft. Das war bei uns aber gar kein Thema, weil wir immer schon bestrebt waren, dass es unseren Tieren gut geht. Demnach waren unsere Gebäude da schon biotauglich“, erklärt Hans Glawischnig die Bedingungen, um als bio-zertifiziert zu gelten. Zunächst besteht dann eine Übergangsphase von zwei Jahren. Hält sich der Bauernhof innerhalb dieser Zeit an die Vorgaben, gilt er als bio. „Anschließend finden dann bei uns regelmäßig unangekündigte Kontrollen statt. Es wird zum Beispiel kontrolliert, ob die Kühe nicht angehängt sind, ob die Schweine ausreichend Auslauf haben und das Futter hochwertig ist.“

Bio-Produkte und Slow Food am Puls der Zeit

Bei der Beschäftigung mit biologischen Erzeugnissen fällt oft ein weiterer Begriff: Slow Food. Ist das beides das gleiche? Gibt es hier Unterschiede? „Bio-Produkte und die Slow Food-Bewegung gehen Hand in Hand. Slow Food bedeutet, zurück zum Ursprung zu gehen. Das heißt, dass ganz einfache Produkte, wie ein Bauernbrot oder das eigene Gemüse aus dem Garten eine neue Wertschätzung erleben. Das sehe ich vor allem bei unseren Gästen“, erläutert Hans Glawischnig die neuen Ausdrücke aus dem Bioversum. Wichtig für ihn sei auch die Vermittlung, dass seine Produkte in vielen Stunden Handarbeit selbst hergestellt worden sind, und nicht aus dem Supermarkt einfach schnell gekauft wurden. „Wer Bio betreibt ist klar im Vorteil. Auch wenn die Investitionen höher sind, zahlt es sich am Ende immer aus!“.

Der Bio-Bauernhof als Familienunternehmen

Der Biobauernhof von Hans Glawischnig ist ein richtiges Familienunternehmen. Aber vermischt sich Berufliches und Privates nicht zu sehr? Wo lässt sich die Grenze ziehen? „Wir leben unseren Beruf. Es gibt einen geregelten Tagesablauf, in dem auch unsere Gäste eingebunden sind. Wir haben beispielsweise eine große Gewerbe-Küche, die privat und gewerblich genutzt wird und in die auch unsere Gäste einmal vorbeischauen. Alles vermischt sich ganz locker miteinander. Das bekommen auch unsere Kinder schon mit. Wir wollen ihnen zeigen, dass sich Privates und Berufliches gut miteinander verbinden lassen, sodass es einfach richtig Spaß macht“, beschreibt Hans Glawischnig den Alltag in seinem Familienunternehmen. Auf die Frage, ob er sich trotzdem einen anderen Beruf vorstellen könne, antwortet er so: „Für mich passt das ganz genau. Ich bin Bauer und Gastwirt mit Leib und Seele. Außerdem ist mein Beruf wahrscheinlich einer der vielseitigsten, die es gibt. Als Landwirt bin ich Jäger, Unternehmer, Pflanzenbau- und Forstexperte“.

Die Zukunft des Bio-Trends und der Lebensmittel

Ist die Bio-Bewegung lediglich ein Trend, der wieder abnehmen wird? Wie sehen unsere zukünftigen Lebensmittel aus? Hans Glawischnig sagt der Marke Bio noch eine lange Lebensdauer voraus: „Der Bio-Trend wird sicher noch anhalten. Bei mir im Betrieb wird das eigene Produkt immer wertgeschätzt sein, doch man darf nicht so naiv sein und die Augen davor verschließen, dass immer mehr auf Masse und günstigere Produktionsbedingungen ausgerichtet ist. Diskonter boomen, obwohl die mittlerweile ganz gute Biomarken haben, die hoch kontrolliert sind. Diskonter und Bio muss also kein Widerspruch sein. Ideal wäre es, wenn weniger Produkte in besserer Qualität produziert werden würden. Das würde den Lebensmittelüberschuss enorm bremsen“.

 

 

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